Max Kalkowski

hochprozentiges Wiedersehen

Der Wecker klingelte Max aus einem traumlosen und trotzdem schweren Schlaf. Ruckartig griff er zu Wecker und schaltete den Lärm aus, bevor Janosch von dem Lärm wach wurde.
Max rieb sich die Augen, raufte sich die Haare und bemerkte dann ein leichtes Ziehen im Kopf. Den ersten Urlaubstag, mit einem Kater beginnen, super.
Müde drehte er sich zu Janosch um. Janosch lag auf dem Rücken, seine Brust hob und senkte sich langsam bei jedem Atemzug. Er war nur noch zu hälfte zugedeckt und der Knutschfleck von gestern Nacht, leuchtete rot auf seiner hellen Haut. Dieser Fleck würde noch eine Diskussion nach sich ziehen, dessen konnte Max sich sicher sein.
Janosch Haut war aber auch empfindlich, wenn er da nur an den Sonnenbrand im Sommer dachte. Seine Gedanken schweiften, zu ihrem letzten Urlaub ab. Max hatte bedingt durch Ferienzeiten und krankheitsausfällen nur sehr kurzfristige Urlaub bekommen, was ihre Möglichkeiten sehr einschränkte. Daher packten sie spontan Max Van und verbrachten ein paar Tage in Hollandsdünen mit Meerblick. Diese Tage waren gefüllt mit Leichtigkeit und großen Träumen. Janosch schrieb an neuen Texten, während Max die paar Wellen zum Surfen nutze. Abends lagen sie eingekuschelt, in einer Decke, vor einer kleinen Feuerschale und redeten von all den Ländern, die sie noch bereisen wollten. Von der Angst, ihre Freundschaft mit diesem Schritt aufzugeben und vielleicht alles zu verlieren, war nichts mehr geblieben.
„Ich liebe dich, Max“, hatte Janosch, ihm an diesem Abend zugeflüstert. Max hatte gewusst, dass es stimmte, und war glücklich.

Diese Erinnerung löste einen Sturm an Glücksgefühlen in ihm aus. Er küsste Janosch sanft wach.
„Ich mach uns Kaffee.“

„Mach was du willst. Ich hab Urlaub. Ich stehe nicht auf!“, grummelte Janosch und zog sich die Decke über denk Kopf.

Max lachte und machte sich auf den Weg in die Küche. Ein frischer Kaffee und eine Aspirin würden es richten. Zehn Minuten später ging er mit zwei Kaffeetassen zurück ins Schlafzimmer. Janosch war noch immer unter den Decken vergraben und machte keine weiteren Anstalten aufzustehen.

„Joschi. Ich hab uns Kaffee gekocht.“

„Unverschämtheit, dass unter kochen aufzuführen“, murmelte er in sein Kissen und drehte sich auf die andere Seite des Bettes.
„Ich hab keine Lust aufzustehen. Ich komme später nach.“

„Das wird dann aber mehr als nur eine Frage aufwerfen.“

„Mir doch egal. Ich habe keine Fragen und auf alles eine Antwort.“

„Komm schon, Joschi. Sonst wird der Kaffee kalt.“

Mit dieser Tatsache war Janosch zu locken. Mürrisch wühlte sich der Blonde aus den Decken und setzte sich auf. Der nächste Griff war zum Nachttisch, auf der Suche nach seiner Brille. Statt sie zu greifen, wischte er sie vom kleinen Tisch und seufzte dann laut. Max verdrehte die Augen.

„Ich sehe schon. Die Last der Welt, liegt heute auf deinen Schultern.“

„Ich seh gar nichts.“

Beide fingen an zu lachen.
„Und jetzt gib mir endlich meine Kaffeetasse!“, forderte Janosch. Max reichte sie ihm und machte sich dann auf die Suche nach Janosch Brille. Auf dem Boden der Tatsachen angekommen, wurde Max Suche von der schrillen Türklingel unterbrochen.

Erschrocken fuhr Max hoch und stieß sich den Kopf am Nachttisch.
„Verdammt! Ist das Mia?“

„Ohne Brille sehe ich nichts und schon gar nicht durch Wände.“

Die Klingel summte noch einmal durch die stille Wohnung. Diesmal mit Nachdruck.

„Was machen wir jetzt?“

Max raufte sich die störrischen Haare. „Keine Ahnung.“

Aus dem Klingeln wurde ein Klopfen und Mia rief, durch die geschlossene Tür nach Max.

Es blieb nur noch, hoch pokern übrig, mal wieder und wie so oft. Max hörte, wie vor seiner Wohnungstür diskutiert wurde. Wild.

„Mia! Max schläft noch. Du musst ihn nicht mit aller Gewalt wecken …“

„Wenn ihm was passiert ist?“

Max zog die Tür auf und ließ die beiden damit zusammenschrecken.

„Was soll mir passiert sein, Schwesterherz?“, fragte Max betont lässig und lehnte sich an den Türrahmen.
„Kannst du dir nicht etwas anziehen, wenn du die Tür aufmachst?“, Mia schaute skeptisch auf Max verwaschene Boxershorts.

„Warum? Ich habe am frühen Morgen keinen Besuch erwartet.“

„Tut mir leid.“ Mia schaute schuldbewusst auf ihre Chucks.
„Till hat gerade frische Brötchen geholt und da dachte ich, du könntest nach gestern Abend ein Katerfrühstück vertragen. Und dann hab ich mir Sorgen gemacht.“

Max seufzte und pikste Mia versöhnlich in die Wange.
„Schwesterherz, du warst knapp ein Jahr, mit Till im Ausland unterwegs und diese Zeit habe ich auch alleine überlebt. Mach dir keine Sorgen um mich.“

„Ja, da hast du wahrscheinlich recht. Ich habe aber das Gefühl, dass wir uns in der Zeit aus den Augen verloren haben und ich gar nicht mehr weiß, was in deinem Leben los ist“, wieder bedachte sie ihre Chucks. Dieses Mal war es an Till, zu seufzten.

„Ich kümmere mich schon mal ums Frühstück. Bis später Max!“

„Mia,“ Max lächelte sie versöhnlich an, war sich seiner schuld aber bewusst. Seit Mias Rückkehr ging er ihr gezielt aus dem Weg, obwohl sie immer ein sehr enges Verhältnis zu einander hatten und alles voneinander wussten.
„Ihr wohnt gerade Mal wieder, einen Monat neben mir und niemand hat vor, wegzuziehen. Wir haben also alle Zeit der Welt.“
Er schloss sie fest in die Arme, spürte aber, wie sie sich versteifte. Mia konnte Geheimnisse praktisch riechen. Ihr dieses Geheimnis, mitten im Flur zu offenbaren, brachte Max nicht übers Herz, weniger noch, über die Zunge.

„Hast du verlernt deinen Bruder so richtig zu drücken? War das schon alles?“, schummelte er sich aus der Affäre und wuselte ihr durch die langen Haare, die so störrisch waren, wie seine eigenen.

„Ich finde es leicht befremdlich meinen Bruder nackt, im Hausflur, in ausgewaschene Boxershort zu drücken.“

„Damit musst du leider rechnen, wenn du morgens an fremde Wohnungstüren klingelst.“

Ruums.

Max und Mia zuckten zusammen und schauten, in die vermeintlich leere Wohnung, um den Verursacher auszumachen. Es folgten weitere Geräusche aus Max Schlafzimmer. Mia wollte sich schon an ihm vorbei drängeln, blieb in ihrer Bewegung aber stehen und schaute ihn ungläubig an.
„Hast du heute Nacht noch Besuch bekommen? Von einer Frau?“

„Und auch damit muss man rechnen“, antwortete Max, mit einem frechen zwinkern.
„So und jetzt geh frühstücken, wir sehen uns nachher wieder“, damit schob Max seine Schwester in den Flur zurück und schloss die Wohnungstür vor Ihrer Nase, bevor es noch bunter wurde.

„Hast du deine Brille wenigstens gefunden?“, fragte Max, während er die Tür zum Schlafzimmer öffnete.

Vor ihm stand Janosch mit eine halb leeren Tasse Kaffee in der Hand. Der Rest des Heißgetränkes, war auf Janosch und der Bettdecke verteilt. Auf dem Boden lag die umgestoßene Nachttischlampe.

„Diese Frage, mein Held, beantwortet sich von selbst.“


Um zehn Uhr klingelte es wieder an Maxs Tür, dieses Mal geplant. Wieder standen Mia mit Till vor der Tür, um Max abzuholen.

Janosch kam gerade aus dem Wohnzimmer und stellte seine Reisetasche in den Flur.

„Janosch! Du bist schon hier?“, stellte Mia fest und begutachtete die Hausschuhe, die er noch anhatte.

„Praktisch gerade rein“, winkte Janosch ab und katapultierte die Pantoffeln in das Wohnzimmer, obwohl es dafür schon zu spät war.

„Wie geht es eigentlich Alex? Hat er sein Studium endlich aufgegeben oder noch ein Semester Barn gehangen?“, fragte Mia Janosch, während er sich seine Schuhe griff.

Janosch stockte beim Schuhe binden und schaute Till an.

„Alex?“ Janosch stockte beim zubinden und schaute Mia an.

„Ja. Dein Mitbewohner? Oder wohnst du nicht mehr in der WG?“

„WG! Alex!“, Dabei haute sich Janosch vor die Stirn.
„Ja klar, dem geht es super. Der schafft das nächste Semester locker.“
Mia schaute ihn skeptisch an und selbst Till wirkte interessiert an diesem, vermeidlich harmlosen Gespräch.
„Leute! Wir müssen“, sprang Max dazwischen und unterbrach das Theaterstück.
„Sonst kommen wir zu spät, obwohl wir Heimspiel haben!“

Damit scheuchte er die Gruppe aus der Wohnung und schloss hinter sich zu. Das konnte die nächsten Tage nicht gut gehen. Niemals. Ein unangenehmes Ziehen, machte sich in seinem Bauch breit. Plötzlich erschien ihm dieser Urlaub als anstrengender als ein ganz normaler, hektischer Arbeitstag.

„Es ist Wahnsinn, wie lange wir uns alle nicht gesehen haben! Wir treffen uns zu selten“, referierte Mia auf dem Weg nach unten.
„Wir sollten jedes Weihnachtsfest zusammen feiern.“

„Wir sollten abwarten, ob wir es überhaupt einmal zusammen überleben. Danach können wir das nächste Jahr planen“, bremste Max den Enthusiasmus.

„Ich habe das Gefühl, dass du gar keine große Lust auf diesen Urlaub hast“, antwortete Mia und drückte auf den Fahrstuhlknopf.
„Du hättest deine neue Freundin nicht zurücklassen müssen. Wir hätten bestimmt noch ein Plätzchen für sie gefunden.“

Janosch blickte Max fragend an und sprach die Frage aus, bevor er überhaupt richtig darüber nachdachte.
„Neue Freundin?“

„Gut zu wissen, dass Max, nicht nur vor seiner Schwester Geheimnisse hat.“

Max verdrehte die Augen und stieg mit seiner Sporttasche in den Fahrstuhl ein. Er hätte sich wenigstens einen Flachmann mitnehmen sollen.

Vor dem Wohnblock parkte Max Van, welchen er sich letztes Jahr gekauft und aufwendig ausgebaut hatte. Es war alles drin, was für ein einfaches Leben notwendig war. Eine kleine Küchenzeile mit Gasherd, ein Kühlschrank für kaltes Bier, eine Sitzbank, die zu einem gemütlichen Bett umfunktioniert werden konnte. Und dank der Hilfe von Toby, Max alten Schulfreund, gab es auch ein ordentlich verbautes Multimediasystem im Van, inklusive kleinem Fernseher. Gegen Musik und Netflix, war schließlich auch am Strand nichts einzuwenden.

„Wow. So schön kam der Bus auf den Fotos gar nicht rüber.“ Mia drehte den Beifahrersitz um 180 Grad und schaute begeistert aus der Schiebetür.

„Sind auch einige Wochenenden dafür drauf gegangen, aber jetzt ist er perfekt.“
Max verstaute noch sein Longboard hinter der Sitzbank und schaffte Platz für das Gepäck.

„Am besten gefällt mir an dem Bus aber, dass damit deine rasanten Überholmanöver Geschichte sind“, zufrieden drehte Mia ihren Sitz wieder nach vorne.

„Max! Ich höre gar nichts! Hab ich die Boxen doch falsch verkabelt?“, brüllte Toby über die Straße, kaum das er um die Straßenecke gebogen war. Er winkte der Gruppe schon von weitem zu. Mia lief ihm sofort entgegen und begrüßte ihn überschwänglich, den Tränen nahe.

„Alles gut! Wir haben doch erst letztens zusammen geskypt.“ Tobys Gesicht nahm eine rosige Farbe an. Er war eingefleischter Single und Vollzeitnerd, so viel Nähe war ihm nicht geheuer.

„Lass noch was dran, an ihm!“, befreite Max ihn aus Mias Umarmung.
„Mia ist heute ein bisschen sentimental“, erklärte Max die Szene und erntete einen bösen Blick seiner Schwester.

Mias Antwort ging in einem lauten Motorengeräusch unter.
In deutlich erhöhter Geschwindigkeit kam ein dunkelblauer Ford Mustang um die Ecke gefahren, bremste ab, driftete um die Kurve und kam neben ihnen zum Stehen.

Aus dem Beifahrerfenster winkte ein erfreuter Nick.
„Habt ihr das gesehen?! Das war Nice! Ich fahre auf jeden Fall mit Janosch mit und nicht mit dem Renterbus!“

Janosch stieg aus und zwinkerte Max zu.

„Kleine Jungs zu begeistern, ist kein Kunststück“, rief Max ihm über das Auto zu, was Nick mit einem „Ey!“, kommentierte.

Max kannte Nick von der Aktion großer Bruder, einer Initiative von ihrem Fußballverein, in dem beide spielten. Nick kam aus einfachen Verhältnissen und war meist auf sich selbst gestellt. Max gabelte den damals erst 14-jährigen in einem Park in der Nordstadt auf. Es war dunkel und kalt gewesen und Nick pöhlte in dünner Jacke über einen runtergekommenen Platz.
„Musst du nicht schon längst Zuhause sein?“, hatte Max ihn damals angesprochen.
Nick zuckte nur kurz mit den Schultern. „Is eh niemand Zuhause.“

„Und deine Freunde? Die sind bestimmt schon längst Zuhause“, es folgte wieder nur ein Schulterzucken.
„Die rauchen irgendwas bei Tarek. Da hab ich keinen Bock drauf.“

Das war der Anfang ihrer Freundschaft und hielt knapp sechs Jahre später noch genau so stark.

Bevor Mia über das richtige Verhalten im Straßenverkehr referieren konnte, tauchte Karo hinter ihr auf und drückte sie fest. Sofort setze ein lautes Kreischkonzert ein und die Mädels drückten sich noch überschwänglicher.
Langsam setze sogar bei Max eine Gefühlsseligkeit ein. Sie kannten sich alle seit der Schulzeit und trotz der verschiedenen Lebenswege, hielten sie fest zusammen. Wie eine Familie. Würde ihre Familie auch damit klar kommen, wenn Max ihnen offenbarte, dass er und Janosch längst mehr, als nur gute Freunde waren. Oder zerstörten sie damit ihren Freundeskreis und alles Gute um sie herum? Das würde Max nicht verkraften. Er schüttelte die Gedanken schnell ab und verstaute die restlichen Taschen im Van.
„Ich bin frisch getrennt! Ich fahre mit dem Eskalations-Team mit“, verkündete Karo und setzte sich auf die Rückbank von Janoschs Auto. Nick sorgte sofort für die nötige Partystimmung und drehte die Musik auf.

„Wenigstens einer, der meine Arbeit zu würdigen weiß“, rief Toby, der sich auch um die Soundanlage in Janosch Auto gekümmert hatte.
„Steckdose und Bordnetz, schlägt allerdings laute Musik“, damit setze sich Toby auf die Rückbank des Vans und schloss seinen Laptop an.

„Du kannst doch nicht in seinem Urlaub arbeiten“, ungläubig drehte Mia sich vom Beifahrersitz nach hinten.

„Ich wollte nur schnell nachsehen, ob meine programmierte App Fehlermeldungen anzeigt.“


Die Autobahn war verhältnismäßig leer und Max fuhr gemächlich Kilometer um Kilometer. Nach einer halben Stunde schien Janosch, diese Fahrerei zu eintönig und mit lautem Motorgeheul überholte er Max Van. Nick winkte, mit einem Bier in der Hand, den anderen fröhlich zu.

„Trinkt Nick etwa schon Bier?“, fragte Mia empört.

„Hab ich nicht drauf geachtet“, antwortete Max, schaltet den noch leuchtenden Eco-Knopf des Vans aus und trat das Gaspedal durch. Die gemächliche Reisegeschwindigkeit von 100 km/h wurde rapide erhöht und Max wechselte von der rechten Spur, auf die Mittlere und schließlich auf die linke.
„Finden wir aber gleich heraus.“

„Maaax!“, rief Mia und hielt sich an ihrem Sitz fest.

Max fing an zu grinsen und jagte Janosch hinter her, um ihm bei der nächsten Möglichkeit zu überholen.
Diese Aktion handelte ihm zwar ärger von Mia ein, aber auch einen feierend Nick. Es gab halt keinen Vorteil, ohne Nachteil.

„Max! Wann wirst du endlich erwachsen? Und warum fährt dieser Van so schnell?“ Max wusste, dass seine Schwester sich nur um ihn sorgte, aber er musste sich die nächsten Tage schon genug verstellen, da konnte er wenigstens jetzt noch leicht aus dem Rahmen fallen.

„Schwesterherz. Damit ich schneller am Meer bin“, antwortete er deswegen nur und grinste in sich rein.

Nach weiteren 70 Kilometern war das kleine Dörfchen, in dem es Jonas und Sophie verschlagen hatte, erreicht. Jonas hatte vor einem Jahr die Chance ergriffen und hatte sich als praktizierende Arzt auf dem Land niedergelassen. Das brachte ihm einen guten Job und ein großes Anwesen im Grünen. Allerdings auch eine Sophie, die sich plötzlich vor dem Ende ihrer Jugend sah und nicht wusste, wie sie diese Tatsache kompensieren sollte.

Die alte Villa im Landhausstil wirkte, umgeben von noch viel mehr Schnee, als in der Stadt vorhanden war, wie ein Märchenschloss. Angrenzend an den großen Garten, bauten sich große Tannen auf und wurden zu einem immer dichter werdenden Wald. Der Stadtlärm war hier längst nicht mehr zu hören und leises Vogelgezwitscher drang durch die Stille.

„Das ist hier sehr idyllisch! Und der ganze Schnee…“ Max Gefühlsausbruch wurde von einem Schneeball unterbrochen, der ihn am Hinterkopf traf.

„Hier hast du deinen Schnee“, rief Janosch und schmiss noch eine weitere weiße Kugel hinterher.

„Na warte!“ Im nächsten Moment lief Max zu Janosch und beförderte ihn direkt in einen aufgeschütteten Schneehügel, wie schon nachts zuvor. Dieses Mal sank Janosch tiefer in den Schnee, wehrte sich aber dieses Mal gegen Max und drückte ihm eine Handvoll Schnee ins Gesicht. Beide lachten laut und wälzten sich über den Schneeberg.

„Die werden immer 14 bleiben“, kommentierte Mia das kindische Gerangel.

Kurz war alles leicht in Max Kopf. Vergessen die Geheimnisse und Zweifel. Er lag mitten im Schnee, auf Janosch und schaute nur noch in seine blauen Augen. Liebvoll rückte Max Janosch Brille wieder gerade, die durch das Gerangel verrutscht war. Janosch lachte ihn an und strich Max Schnee aus den Haaren. Die Welt war plötzlich angehalten und Janosch näherte sich langsam Maxs Gesicht. Max schloss seine Augen und wollte nur noch die weichen Lippen seines Freundes spüren.

Im nächsten Moment flog die Tür der Villa auf und eine kugelrunde Sophie stand im Eingangsbereich. Das dramatische Begrüßungsprozedere der Mädels wiederholte sich und holte Janosch und Max schlagartig in die in die Wirklichkeit zurück. Peinlich berührt half Max, Janosch auf und schielte zu den Anderen. Die Aufmerksamkeit der Anderen galt allerdings Sophie und ihrem kugelrunden Bauch. Die Mädels streichelten ihn sanft und beteuerten Sophie, dass die trotz Schwangerschaft, noch immer schlank aussehen würde.

„Ihr lügt doch! Ich habe mehr als einen Spiegel Zuhause!“, nichtsdestotrotz trotz freute Sophie sich über die Komplimente.

„Jonas! Gut siehst du aus! Wie fühlt man sich als werdender Papa?“ Max schloss seinen Freund in eine enge Umarmung.

„Aufgeregt. Einfach nur aufgeregt. Ich hoffe, wir bekommen das alles so hin“, Verlegen kratze er sich am Kopf.

„Das schaukelst du mit links! Wer einfach so durch ein Medizinstudium spaziert und dann Arzt wird, bekommt auch Windelwechseln hin.“ Janosch klopfte ihm zuversichtlich auf die Schulter.

„Freunde! Kommt rein! Es wird Zeit, dass ihr einen Begrüßungsglühwein bekommt!“, verkündete Sophie laut durch das allgemeine Gerede. „Außerdem ist es kalt!“

„Ich mache mir da auch mehr Gedanken um Sophie, als um mich. Sie hat leicht kalte Füße“, erklärte Jonas die Situation.
„Aber das werdet ich selbst sehen und merken. Dann habe ich auch mal was zu lachen.“

Janosch schaute Max mit großen Augen an und sie folgten Jonas und den Rest der Gruppe in das große Haus.

Sophie musste Stunden damit verbracht haben, dass Haus so liebevoll und detailliert für Weihnachten zu schmücken. Überall fanden sich kleine Gestecke aus Tannenzweigen, mit roten Kerzen und Kugeln. Die meisten, wenn nicht sogar alle Türrahmen waren mit Mistelzweigen behangen. Rote Samtschleifen und blinkende Lichterketten zierten jedes Treppengeländer und die Fenster strahlten durch diverse opulente Lichterbögen.

„Sophie, hast du eine Razzia auf dem Nordpol angeordnet?“, selbst für Karos Geschmack, schien es etwas viel Weihnachtsdeko im Flur und Wohnzimmer zugeben.

„Ach Quatsch. Mit einem Mausklick und Overnight-Express war alles da. Jonas arbeitet immer sehr lange und da muss ich mich auch irgendwie beschäftigen. Und mit dieser Kugel,“ sie deutete auf ihren runden Bauch „sind meine Möglichkeiten sehr eingeschränkt.“

„Kritik!“, flüsterte Max, Joans zu und knuffte ihn in die Seite. Jonas verdrehte nur die Augen.

„Wir versuchen, die kleine Kaufsucht etwas einzudämmen.“

„Aber genug von mir“, winkte Sophie ab.
„Ihr müsst zuerst anstoßen. Wir werden hier eine richtig schöne Zeit verbringen“, damit ging Sophie in die Küche und kam mit einem Tablett dampfender Glühweinbecher in Herzform zurück. Sie verteilte die Becher und griff selbst zu einer Tasse mit Früchtetee.
„Dann sieht es wenigstens so aus, als würde ich Glühwein trinken“, lachte Sophie laut auf.

„Die Kompensation, Andere betrunken zu machen, weil sie selbst keinen Alkohol trinken darf und Angst hat, etwas zu verpassen, bekommen wir auch wieder in den Griff“, erklärte Jonas und schüttete seinen Glühwein zur Hälfte in den Blumentopf hinter sich.

„Das wird ja ein Spaß“, flüsterte Janosch, Max zu und kniff ihm heimlich in den Po.

„Ich bin begeistert“ grinste Max und prostete den anderen zu.

2 Kommentare zu „hochprozentiges Wiedersehen

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