Poetry Slam

die Glorifizierung der Welt

hätte ich mehr Geld, könnte ich mir alles kaufen und müsste mich um nicht mehr sorgen
-> außer um die Sorge, den Reichtum zu verlieren und mittellos zurück zu bleiben

wäre ich so schlank wie die neue Kollegin, würden mich mehr Männer beachten
-> die Kollegin möchte nur von einem Beachtung, für ihn ist sie ungeachtet

würde ich den spannenden Beruf meiner Nachbarin ausüben, hätte ich morgens auch gute Laune
-> inklusive der schlaflosen Nächte

wenn mir der richtige Mann begegnen würde, könnte ich auch eine große Familie gründen
-> und die knappe Haushaltskasse ergründen

Warum machen wir uns abhängig von Konjunktiven?
Aus hätten, würden, möchten? Aus Neid?
Wieso sehen wir das Leben anderer Menschen als perfekt, das eigene als unperfekt?

Weil wir von der Perfektion der Welt ausgehen und das ist die Krux der Geschichte.

Ein one-Million-Dollar-Wurf und wir müssen treffen, anders kann es gar nicht sein. Wir sind fehlerhaft, nicht das Spiel. Nicht möglich zu glauben, dass wir dieses eine Leben fehlerhaft beginnen, führen und zum Schluss unfertig verlassen.

Dabei ist nichts, auf dieser schönen Welt perfekt. Jeder Vorteil bringt einen Nachteil. Jedes Licht, wirft Schatten. Durch Lautstärke, wird Flüstern überdeckt. Alles ist perfekt unperfekt. Fertig und verbesserungsfähig, fehlerhaft und trotzdem voll funktionstätig.

Und genau deswegen, lasst uns einfach los laufen, es versuchen, auf gut Glück, mit Glück auf. Nicht zerdenken, zerreden, zerreißen.
Es könnte ja einfach gelingen, geflirtet und gefeiert werden.

Am Ende zählt die Urkunde, nicht erreichte Meter.
Am Ende zählt das Leben, nicht die Fehler.

Und welcher erste Versuch, war schon perfekt?

4 Kommentare zu „die Glorifizierung der Welt

  1. Sehr wahre Worte! Danke für den tollen Artikel!
    Ich beschäftige mich gerade mit der Achtsamkeit und damit unvermeidlich auch ein Stück weit mit dem Buddhismus. Und da gibt es eine passende Geschichte von einem Mönch, der eine Mauer im Kloster selbst baut. Und in dieser Mauer sind am Ende zwei Steine schief. Jedes Mal, wenn Besucher kommen und an der Mauer vorbei gehen, wird es dem Mönch unangenehm. Er beginnt damit, sich für diese beiden Steine zu entschuldigen oder stellt sich vor sie, damit sie nicht gesehen werden. Sie sind der Makel. Irgendwann kommt ein höherer Geistlicher ins Kloster und bleibt ausgerechnet vor dieser Mauer stehen. Er begutachtet sie und der Mönch beginnt sich schon kleinlaut zu rechtfertigen wegen diesen beiden schiefen Steinen. Der Geistliche sagt aber: Sicher, zwei Steine sind schief, aber die restlichen 998 sind absolut gerade…
    Wir schauen auch immer auf das was schief ist im Leben, auf das was fehlt. Und übersehen dadurch alles, was gerade gut ist, was positiv läuft und uns glücklich machen sollte.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für diesen schönen Kommentar und diese buddhistische Geschichte! Das sind wahre Worte. Wir richten unseren Blick, oft auf das Schlechte und wahrscheinlich gibt es mindestens doppelt so viel Gutes! Man/ich/wir muss/müssten mit offenem Blick durch die Welt und das Leben gehen = )

      Liken

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